Eine sanfte Brise weht noch über die Dächer meines Heimatortes als ich die letzten Gedanken zu diesem Beitrag hier niedertippsel. Der Yukimura-Workshop ist für mich seit Montag Abend 20. August 2012 Vergangenheit.

Noch immer schweben die vielen Inputs und Gedanken zu all den Bildern die ich relativ locker während des gut 9 Stündigen Workshops knipsen konnte umher. Noch auquarellieren sie lose mein endgültiges Bild welches in diesen Tagen der Erholung und des Seils in Kopenhagen durch farbenfrohe Ereignisse, skurrile Gegenstände, simple Fakten, intensive Begegnungen, uralte Kuriositäten und Sehenswürdigkeiten als auch viel Situationskomik und Slaptstik, entstanden ist. Was haben wir gelacht, wie sehr haben wir frischestes , allerleckerstes Straciatella-, Schokoladen-, Vanilla- oder Minze(afterEight) Eis geschleckt und uns bei gefühlten 50 Grad im Dojo die Wasserflaschen beinahe über die Köpfe geleert haben.

Yukimura Sensei lehrte uns einige Geheimnisse seiner Kunst der Seile und erwies jedem Paar die Ehre seiner Präsenz als er die Techniken jedem Rigger verfeinernd erläuterte.

 

Selbst 30 Tage nach dem Besuch in Kopenhagen spüre ich diese vielschichtigen Veränderungen meiner erlernten neuen Techniken. Spannend dabei ist das Wissen, dass so vieles dieser Techniken in uns vorhanden ist. Man muss es nur nutzen und wie ein Freund stets sagt, man muss sehen können, fühlen und dementsprechend interpretieren und umsetzen können.

Dabei denke ich , gilt es nicht dieses Wissen oder die Erfahrungen besonders beschreiben und analysieren zu wollen, sondern vielmehr diesem Wissen mehr Raum zur Entfaltung zu geben. Raum, in dem ich losgelöst vom Anspruch vielseitiger Fesseltechniken und hochentwickelter Komplexität einzelner Elemente, die Schlichtheit einer solch innigen Bindung im wahrsten Sinne des Wortes betonen und wirken lassen kann.

Derzeit vergleiche ich dieses Fesseln wie die konzentrierte Arbeit und Gestaltung eines IKEBANA-gestecks. Mit den Worten einer grossen Ikebana-künstlerin in der Schweiz, Martha E. Bachmann, möchte ich meiner Empfindung Ausdruck geben:

 

Durch Weglassen und Beschränkung lässt sich eine besondere Strahlkraft erzielen, mit kleinen Mitteln ist eine eindringliche Aussage möglich.

 

Zwar beschränkt sich diese Aussage auf Ihre Ansicht zu IKEBANA, doch empfinde ich die Frau im Seil in ihrer Anmut und Grazie, ihren Empfindungen und Emotionen gleich einem wundervollen Garten mit tausenden Blumen. Man mag mir meine blütenreiche, bunte Poesie der Sprache und Ausdrucksweise nachsehen. Doch wer einst die Schönheit und Ausdruckskraft einer mit feuchten Augen zu einem aufblickenden , diesem verklärten Blick in sich tragenden Frau erlebt hat, wird sich als Mann kaum schöneren Augenblicken im Seil erinnern können oder wollen.

Und Yukimura_sensei gibt uns diese Instrumente in die Hand. Er macht uns / mir bewusst, das wir nicht bloss das Seil als Instrument oder Werkzeug nutzen können, sondern die Vielfalt der Dinge die uns umgeben ebenso einzusetzen verstehen sollten.

Eine Stimme akzentuiert die Trance immens, wenn sie mit süsser Wortwahl den Kern der Frau ztu treffen vermag. Das Streicheln mit den pinselartigen Enden der Seile ist reine Zärtlichkeit, wenn wir nicht die Hände als direkten Kontakt einsetzen möchten.

Aber auch das Spiel mit Nähe, Distanz, Schnelligkeit und Langsamkeit, dem Rhythmuswechsel und dem gezielten aber durch Empathie gesteuerten Einsatz der eigenen Energie bringen gewünschten Erfolg, so denn man davon sprechen möchte.

Aber erfolgt denn etwas ? und was will ich damit erreichen ? warum fessle ich eigentlich ?

Als ich meinen Freund Kumo aus Japan zurückgekehrt wieder sah, war er sichtlich geprägt von den Erlebnissen dort. Heute kann ich nachempfinden, wie sehr er sich durch die verschiedenen Aspekte der japanischen Fesselstile beeinflusst, mit dem europäischen Denken der Fesselnden kollidierend sah. Nach und nach verstehe ich besser, wie sehr wir uns von der Art wie Japaner fesseln, unterscheiden. Dennoch bleibt mir noch ein langer Weg zu gehen um dem Denken näher zu kommen oder ansatzweise zu verstehen, was der Japaner aus seinem historischen Hintergrund mitgebracht und zu einer wundervollen Blüte der Gegenwart entwickelt hat.

 

Noch sind so viele Bilder zu sichten. Doch eine Auswahl mag ich euch nicht vorenthalten und stele die kommenden Tage bald einmal mehr von diesem Workshop ein.

 

MINO

2 thoughts on “Copenhagen Shibari WE 2012 Part 3

  1. Diese Worte sind Poesie, die mein Herz berühren.
    Kann es sein, dass wir verlernt haben zu sehen? Ich meine, nur selten die Zeit zu haben, einen einfachen Blumenstrauss mit bewussten Blicken zu würdigen; den Versuch, ein Ikebana-Gesteck in seiner Gänze zu erfassen, wage ich erst gar nicht.
    Doch das Sehen ist nur ein Aspekt. Wie lange dauert es, bis all das Gesehene in meinem Herzen Widerhall findet?

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