Seit einigen Tagen erwache ich recht häufig in den Morgenstunden, meist so um 4 Uhr Und weiss dann, dass es noch gut 60 Minuten sind, bis ich normalerweise aufstehen würde. Warum aber erwache ich und lausche hinaus in die so präsente Morgenstunde ?

Ich wohne an einem Ort, wo es ab 6 uhr beinahe an jedem Tag schon recht laut wird. Nein , ich glaube das es meine Affinität  zu dieser lauen Stunde ist. Wenn man des Nachts heimkommt, alles bereits schon schläft, so ist doch noch immer ein Puls, ein andauerndes Summen und Rauschen hörbar aber auch , gleich einem Herzschlag , spürbar.

Verziehen sich die Stunden, schreitet die durch die ruhiger werdende Nacht immer lauter zu ticken scheinende Küchenuhr aus der schwedischen Kochnische über die Ziffer 3, so scheint sie sich beinahe selbst zu entspannen. Jetzt überlässt sie der Schwerkraft die Arbeit. Lässt sich tragen und gleiten sanft an der 4 vorbei um später im maximalbeschleunigten Zustand die 6 nur kurz zu küssen und gleich den Anstieg zur 7 , 8 und 9 in Angriff zu nehmen.
Manchmal ist dieses Beobachten und seinen Gedanken dabei freien Lauf zu lassen ein herrliches Spiel. Die Zeit rennt zwar unaufhörlich fort, doch wenn ich einmal aus dem bett gekrabbelt, wach und irgendwie ausgeruht dann auf dem kühlen Balkon gerade mal in Boxershorts und Tshirt stehe, geschieht es , dass die kreativsten Ideen und klarsten Bilder für ein Spiel mit dem Seil entstehen.

Unter der Woche würde ich nie einen Cognac aus dem Küchenschrank holen, Freitags oder besser Samstag/Sonntag ginge dies schon besser.. aber da muss ja kaum einer arbeiten. Dennoch .. auch oder gerade hier sind die Stunden so wertvoll und die Stadt , die Agglomeration, das Leben selbst scheint sich  beinahe vollkommen beruhigt zu haben und es ist still.

So hat man Zeit die Minuten verstreichen zu lassen um Bilder von sinnlicher Magie heraufzuholen, Bilder von unglaublicher Kraft und Stärke nochmals in den sinnlichsten Farben zu beschwören und jene Energien als Kraft für den Tag der bevorsteht zu nutzen.

Denn all zu oft geschieht es, das wir die Zeit in der wir selbst mit dem Seil spielen, nicht präsent  oder gar achtsam genug sind. Achtsamkeit für die kleinen Dinge im Leben.

Dinge die in der Stille nur vom Rauschen der noch verbleibenden Welt, des Windes, des Regens vielleicht oder der durch die aufgehende Sonne in Bewegung gesetzten anderen Erdkräfte hörbar werden. Ich aber mag diese Stille so sehr. Sie umgibt einem mit einem Schild der Ruhe.

Und so ist es doch ein wahrer Genuss, mit einer flauschigen , wohligen Decke auf dem Stuhl oder Sessel bei geöffnetem Fenster oder auf dem Balkom zu sitzen und dem Tagesanbruch zu lauschen ..

Zu beobachten wie sich die eigenen Haare auf dem Unteram durch die leichte, mittlerweile spätsommerliche Morgenfrische in wunderbar zarter Gänsehaut aufstellen und einen herrlichen Schauer hinterlassen. Wärmend rinnt dann vielleicht die erste Milch oder ein Kaffee durch den Gaumen hinab in den Magen, lässt uns die Sorgen des Tages nochmals in weite Ferne rücken und schmunzelnd dem kleinen aufgeweckten Vogel beim Tschiepen und Buhlen um seine Reviergrenzen zuzuschauen.

Ich berühre sanft das Display meines iPhones und starte die APP REMOTE, der Rechner im Arbeitszimmer startet und lässt mich die iTunesfenster und Daten sichten. Wie ein sanfter Strich über die Saite einer Geige oder den Druck auf eine Klaviertaste, folgt das Programm meinem Befehl und spielt leisen Jazz in die grossen Musikboxen im Wohnzimmer. Nicht laut, nicht wummernd.. ich brauch das nicht. Nur ab und an , wenn gerade zuviel Energie da ist :)

Jetzt aber geniesse ich das Gedankenspiel, mir Genuss durch feinste Ambience zu gönnen und gleich dem sanften Strich obiger Instrumente folgend , deiner Haut mit dem ersten Seil im Nacken sanft hinabgleitend , deinem Körper leise den Wunsch nahe zu tragen, dich auf die Matten zu knien.

und ehe es der erste Sonnenstrahl schafft dich wachzustreicheln,

bist Du erneut im Land der Träume , gebunden, verschnürt und doch frei

http://www.youtube.com/watch?v=U5bVJZXT_ic

The Free Dictionary: jmd.etwas sich hinter jmdm. →

4 thoughts on “Morningmood

  1. Die Jahreszeit, auf die ich mich immer am Meisten freue raschelt leise durch den zarten Wind. Die frühen Morgenstunden werden leiser für Schlafende. Für die Aufmerksamen wirds stetig bunter. Bunter an den schönsten Farben, die die Natur zu schaffen vermag, zugleich dessen die Menschen wieder mehr bei Kerzenschein und Wein beisammen sind. Ich freue mich, und hoffe auch bald wieder einmal die fantastischsten Stunden im Tageszyklus wach sein zu können ;)

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