Samstagabend, Partylocation, Chilloutbereich. Es ist nach 24 Uhr, die Stimmung schön warm und die Outfits sind bereits etwas gelockerter, zerzauster. Man hängt lässig im Loungesessel oder fläzt auf dem Sofa und geniesst vielleicht geradenach einer heissen Dancefloormusik die Endorphine welche einem die Nasenflügel mit Atemluft fluten. Da steht Sie ! DIE hammer Frau, der scharfe Kerl den man den ganzen Abend lang schon kennenlernen wollte. Und .. juchuuuu, er kann auch noch fesseln !!! ( bleiben wir mal bei dieser Konstellation ;) )

man zieht sich nach einem Bauchkribbeln bescherenden Kurzflirt in die Fesselecke zurück und beschliesst, den Abend etwas leiser dem Seil zu widmen.

Der Kerl holt sein Seilset hervor, zeigt die hübsche Jute oder gar weichgeklopfte Hanfgarne und wähnt sich der Dame und ihrer Zuneigung schon fast sicher. Beide beginnen sich auf die Zeit im Seil zu konzentrieren , der eine Vorfreudig auf intensive Emotionen , gehalten , gebunden und doch befreit werden , der andere freut sich aufs Fesseln an sich und dem beweisen seines Könnens.

Schnell sind erste Lagen gelegt, das Pattern , die Fesselung nimmt Form an. Sinnliche Enge umgarnt die Dame und sie schwebt in erste Lagen der Trance ab, geniesst und wünscht sich schon es möge nicht enden. ER ist sanft in seinen Bewegungen doch immer wieder mit kleineren Unterbrüchen beschäftigt. Zunächst nimmt sie diese nur als kleine Pausen im Bewegungsfluss , im Ablauf wahr. Doch immer mehr spürt SIE dass diese Unregelmässigkeiten sie dazu bringen, ihre Aufmerksamkeit nicht im Genuss, vielmehr im Suchen nach IHM zu verbringen. Doch er ist körperllich spürbar anwesend. Er fesselt wie verrückt, zupft hier und da, legt dort was hin und schlauft hier noch was dazu. Neues Seil, Ansetzen. Weiter gehts. Sie jedoch schaut ihm zu, beobachtet sein Tun und kratzt sich nebenbei an der Nase oder bittet ihn , doch mal eben kurz an ihrer Nase zu krabbeln. Beflissen ihr dieses Ärgerniss aus dem Weg zu räumen , krabbelt er sanft um sogleich erneut wieder seinem Seilwerk Zuwendung zu schenken.

Schliesslich ist die kunstvolle Schnürung beendet, die Dame hängt oder liegt, steht oder sitzt irgendwo in dieser Chillingzone. Er freut sich über sein Werk und beide Lächeln..
Danach fesselt er wieder ab und sie unterhält sich bereits mit einer Kollegin oder dem Kollen ihrer Begleitung, lässt sich etwas zu trinken geben während er sie wieder aus ihrem Cocon befreit.

.. ich lächle für mich aus der Ecke und proste den beiden zu.

Für mich ist dies eine sehr typische Fesselscene an den verschiedensten Anlässen wie Partys oder Seilabenden. Nichts spricht dagegen, wenn beide sich nur bedingt kennen, wenn man sich behutsam aneinander gewöhnen will und deshalb nicht gleich in die Vollen schiesst oder eben mit stürmischer Leidenschaft die Seile wirbelt. Manchmal logischerweise auch , weil das Fachwissen , die Pattern noch nicht so meisterlich geschnürt werden können wie bei den grossen Meistern selbst, weil es an Erfahrung fehlt oder weil man schlicht schüchtern ist.

Dennoch beobachte ich eines sehr oft. Das beflissene Knüppern und Tüdeln , das Schnürln eines Patterns als ob es nichts anderes gäbe , als diese Fesselung vollkommen und milimetergenau so zu fesseln wie das Bild des Meisters letztens im Computer zeigte. Oooh ja (ich muss herzhaft Lachen)  auch ich habe solch eine Zeit erlebt und erlebe immer wieder selbst, das ich aus Wissbegier und Neugierde mein Können zu verbessern suche, in dem ich Technik trainiere, in dem ich eine Form/ Übung nicht eher ruhen lasse, als bis sie so aussieht wie das Bild welches ich im Kopf habe. Nicht das dass Lernen und Trainieren von technischen Aspekten falsch wäre.

Aber dieser Artikel soll von der Annäherung an Perfektion , nicht deren Vollkomenheit handeln.

Wer einmal die Pattern aus der Grundschule erlernt hat findet schnell Freude an immer neuen Varianten der Fesselungen und den vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten. Dann folgt oft das Vervollkommnen der Pattern und daraus bedauerswerterweise des sich verlierens im üben dieser Fesselungstechniken. Der Übende wendet sich der Übung so sehr zu, dass er dabei beinahe den Kontakt zu seinem Model, seiner Partnerin oder der Gefesselten verliert. Die Perfektion fordert ihren Preis. Ein Verlust des sinnlichen Kontaktes zwischen zwei Menschen entsteht und die Situation wie oben beschrieben herrscht vor.

Als ich feststellte, das die Technik zwar ein wichtiger Teil beim Fesseln ist, die Beherrschung dieser Elemente jedoch dazu führt, sich mehr der Situation zwischen dem Fesselnden und dem Gefesselnden zuzuwenden. Zu beobachten wie mehr Intensität, mehr Nähe entsteht, feingliedrigere Antennen benutzt werden, die es einem erlauben, jede noch so kleine Regung wahr zu nehmen, wodurch das schwer erlernte und zeitraubend eingeübte immer unwichtiger wird.

Nein, Technik wird nicht zur Nebensache.  Doch um Gefühl und vor allem Sinnlichkeit zwischen zwei Menschen , ein Spiel der Leidenschaft, Lust, Kontrolle der Situation durch den Aktiven zu erleben, spüren und führen des Gefesselten, wenn man so will*steuern* der passiven Person in ihre eigene Lust und damit  das Spiel der (geschenkten) Macht zu vervollkommnen, braucht es nicht allein FesselTECHNIK. Es braucht etwas , das darüber hinausgeht.

Empathie ist die Eigenschaft eines Menschen sich mit weniger Technik AM Seil  dafür umso mehr Gefühl durch das Seil vermitteln zu können. Den Menschen zu spüren um mit den Möglichkeiten die sich offenbaren spielen zu können und den Fluss der Energie am unentwegten strömen und durchdringen zu halten.  So intensiv, so feingliedrig, so leise in der Bewegung, doch so kraftvoll und berauschend ist das Gefühl dessen der sich in ihrem Sog befindet. Der Aktive spürt dies dann wiederum am Fluss seiner Bewegungen und der Harmonie die sich einstellt. Der Passive spürt  Sicherheit und Ruhe, Frieden , aber auch unbändige Lust und verschiedenste andere heftige Emotionen die wiederum zu diesem so sinnlichen verklärten Blick führen mag, den man bei den Modellen unserer Meister so oft erkennt.

Gewiss, Bilder sind Momentaufnahmen und wir wissen nie, wie es dazu gekommen ist. Doch fesselt man so etwas einst real und in Echtzeit, sieht und fühlt wie es dem Gegenüber ergeht, wie man selbst dieses oder jenes Quentchen  intensivieren oder umlenken, verstärken oder Emotionen in andere umwandeln kann, sind die Unperfektheiten im Seil, der Fesselung an sich beinahe lächerlich.

Keineswegs möchte ich die grossen unseres Fachs in ihren Erfahrungen schmälern durch meine Bemerkungen. Der japanische Fesselstil zeichnet sich durch Ästethik, Sauberkeit, Sicherheit und keine bleibenden Schäden am Model aus.

( siehe 5 Punkte Fesselkonzelt der SEILSCHAFTEN )

Dieser Artikel soll dem geneigten Fessler aufzeigen, das Seiltechnik und Wissen ein gutes Fundament bilden um seinem Charakter die Freiheit zu geben , mit den immensen Emotionen und dadurch der Verantwortung für den Vertrauenden später bewusst umgehen zu können.

Fesseln ist etwas sehr intimes. Für manche so intim, dass sie dies nur mit einer einzigen vertrauten Person tun können. Andere, ich zähle mich dazu, vermögen dies mit mehreren Menschen in einer intensiven Art zu leben und zelebrieren. Eines bleibt dem Ganzen jedoch stets gemeinsam. Das Gefühl für den Anderen , der Respekt vor dieser Person und dessen Grenzen.

Gefühl.. nicht die komplexe oder vollkommene Fesselung macht eine Zeit im Seil perfekt.
Natürlich sind dies längst nicht alle Zutaten um das Erlebnis Seil so intensiv zu gestalten, doch  Nähe ist einer der Schlüssel dazu.

Doch davon ein andermal mehr.

MINO

 

3 thoughts on “Gefühl oder Perfektion ?

  1. wie wahr Deine Worte doch sind.
    es ist ein schönes Gefühl,wenn man nicht einfach nur so rumhängt.sondern auch sanfte Berührungen der Hände oder den “heissen” Körper des Riggers,während des fesselnds spüren darf.

  2. Sportfesseln nenne ich das was du im ersten Teil beschreibst. Und so mancher Rigger bleibt immer dabei. Was wirklich sehr sehr bedauerlich ist.

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