Die Scene hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Und wie ich meine durchaus zum positiven und spannenden. So haben wir derzeit nicht nur unser eigenes SceneMagazin BONDAGEMAGAZIN.de sondern auch eine Kultur drum herum , die anfangs cvielleicht von einigen einzelnen Aktiven geprägt, mittlerweile eine ganze Horde guter und auch öffentlich auftretender Aktiven mit Models , pauschalUNDschuldigen Bunnys  wie kleinen oder grösseren Sünden  die Scene bereichern.

Kürzlich fanden einmal mehr die Workshops von OsadaSteve statt und ich wäre nur zu gerne dabei gewesen. Doch neuer Jobantritt verlangte einfach die volle Aufmerksamkeit in den ersten Wochen.

anbei  möchte ich aber einen Kurzbericht eines befreundeten Riggers aus unserem östlichen Nachbarland Austria euch nicht vorenthalten.

Vielen Dank Vinciens für deinen Text.

NACHLESE Osada Steve Workshop / Berlin

Die Berlin-WS waren wieder mal eine Reise wert. Aufgeregt, was wir da wohl alles an Neuigkeiten präsentiert bekommen werden, bin ich jetzt mal angesaugt wie ein Schwamm und muss das dort Erlernte mal verarbeiten.

Der Trip fing so an, dass Libido und ich nach 50 Minuten Flugzeit, 45 Minuten wegen Nebels im Holding Kreise flogen. Barlin , ein Mitglied des Dojos in Berlin, holte uns persönlich ab und brachte uns ins Studio. Die Wohnung nebenan dient als Pausenraum und Unterkunft für WS-Teilnehmer.

Als sich die Türe öffnete bot sich uns eine Überraschung in Form von Tina und Max aus Kopenhagen welche wir schon letztes Jahr kennen gelernt hatten. Sie waren unsere Nachbarn und ebenfalls Kursteilnehmer. Max ist der offizielle Weltrekordhalter im fesseln des OS-3STK auf Speed. Die genaue Rekordzeit hab ich vergessen liegt aber, soweit ich mich erinnern kann, irgendwo so um die 2:35.

Der Kurs selbst war erstaunlicher Weise nicht ausgebucht. Außer uns beiden waren da noch das Studiomitglied Peter, welcher sich durch die WS eine Woche davor erst für den Performance-WS qualifiziert hat, Tina und Max und die großartige Dasniya Sommer welche aber nur halbtäglich an den WS teilnehmen konnte. Neben den Studioleitern Hagen und Arliss war noch Jhenna als Bunny und ein weiteres, aus Japan stammendes Bunny anwesend.

Na und dann war da natürlich Steve-San mit seinem Modell Morikawa Mari


Die Begrüßung war sehr herzlich und wir fühlten uns sofort wohl.

Um 15:00, am Tag der Anreise, ging es dann los. Der Satz „3Seil Takate Kote zum aufwärmen“ war mir ja schon bekannt. Das waren dann auch schon so ziemlich die einzigen deutschen Worte bei dem Kurs da dieser wegen der Gäste aus Kopenhagen hauptsächlich in Englisch gehalten wurde. Nach dem 3Seiler wurde ausgebessert. Oh Mann, da wurden mir meine Fehler brutal offenbart. Zum Glück gab es aber bei jedem was zu verbessern. Das beruhigte mich dann doch wieder. Ich bekam dafür eine neue Möglichkeit präsentiert, Seil zu verbauen, wenn der Verlängerungsknoten ungünstig zu sitzen kommt.

Nach der Aufwärmübung wurde fesseln mit einem Seil gelehrt. Es ging darum zu erkennen, was mit nur einem Seil möglich ist. Bei dieser Übung musste sehr ruppig gefesselt werden. Das Modell sollte quer durch den Raum gejagt werden. Damit tat ich mir anfangs schon schwer da das nicht unbedingt mein Stil ist. Steve zeigte, wenn er zu mir kam, auf eine der Matten vor mir und frage mich „warst Du schon hier?“

Schon am ersten Tag zeigte sich, dass die Kombination von Antibiotika und Grippemittel nicht besonders für Fesselungen geeignet ist. Libido bekam eine übersensible blutige Haut und die Ropemarks sahen aus, als hätte ich sie mit Stacheldraht gefesselt. Zum Glück gab sich das dann im Laufe der Woche.

Rein von den Techniken betrachtet gab es zum Vorjahr nicht allzu viel Neues, allerdings war die Info bezüglich der Ausführung der einzelnen Fesselungen enorm. Wirklich neue Techniken umfassten die Marionette, eine Teppo-Variante und ein ganz neuer TK speziell für den Gyaku-Ebi-Zuri. Zu letzterem gab es eine sehr spektakuläre Methode des Lifts.

Interessant war der Yoko-Zuri mit verbundenen Augen auf Zeit. Da bekam ich ein ganz neues Gefühl für diese Technik und es war aufschlussreich zu erfahren, wie lange man dafür benötigt. Überrascht war ich, wie gut mir das gelang. Es gab keine nennenswerten Probleme und ich machte sogar eine kleine Progression weil mir die Höhe eines Beines nicht gefiel.

Wirklich spannend war Newaza und die Philosophie welche hinter den Yukimura Techniken steht. Da war es so, als würde ich alles neu lernen. Wenn ein Unwissender über Yukimura Haruki aus der Arte Doku spricht dann hört man oft Worte wie „lüstender, geiler, alter Japaner“. Tatsächlich dürfte er aber ein Mann sein, der GENAU weiß, was Frauen wünschen.

Was wir gelernt hatten war die Art, „selbstlos“ zu fesseln. Leider habe ich die japanische Bezeichnung dafür vergessen. Wir lernten, als Rigger auf eine bestimmte Distanz zum Modell zu gehen. Nicht nur räumlich sondern auch mental. Es wird nicht gefesselt wie der Rigger es will sondern wie das Modell es will. Des Riggers Aufgabe ist es dabei, zu erkennen, wie das Seil zu laufen hat, und wo das Modell das Seil erwartet bevor es das Modell selbst weiß. Auf diese Weise erzielt man Reaktionen die über die normale Fesselung weit hinaus gehen. Einmal in der Stimmung kann man das Modell formen und in Lagen und Stellungen bringen ohne es großartig zu berühren. Benötigt man sonst Kraft um das Modell von der liegenden Position in eine sitzende zu bringen, geschieht das nun mit einer hauchzarten Berührung einer Fingerspitze.

Auf der anderen Seite wurde uns beigebracht wie man bei Vorführungen das Tempo bestimmt. Wo man ruppig, wo sanft fesselt, wo man Gas gibt, wo man abbremst und wo man stoppt. Auch auf die richtige Distanz zum Modell wurde bei diesem WS großen Wert gelegt. Es wurde uns gezeigt, dass es ein großer Unterschied ist, ob man einen 3 Seiler für eine Suspension oder ob man einen Hojo-Hishi fesselt.

Steve und Max zeigten uns an einem Abend im EQUIPAGE je eine Vorstellung. Steves Ding war natürlich klasse. Vor allem vor Morikawa Mari hatte ich Respekt, hing sie doch am Schluss an einem Seil welches durch ihren Schritt ging. Max und Tina zeigen eine Performance die mich um haute. Vier große Progressionen aus einem Gyaku-Ebi-Zuri heraus mit einer Dynamik die allen Anwesenden die Sprache verschlug. Ich war begeistert.

Am Samstag war das „große“ Finale. Jeder Kursteilnehmer sollte eine Performance im AVALON vor Publikum zum Besten geben. Den Anfang machten Barlin und Faunia Farley mit einer wunderschönen Jiai-Shibai ähnlichen Bodenfesselung wobei man bedenken muss, dass sich Barlin erst seit knapp 2 Monaten mit Shibari beschäftigte.

Ich entschied mich aufgrund Libidos Gesundheitszustand für einen ganz einfachen ruhigen Yokuzuri. Allerdings ohne den in Berlin gelehrten Beckengurt damit sich das Modell besser bewegen kann. Und genau das kam dort gut an. Scheinbar rechnete niemand damit, wie sich Libido in den Seilen bewegen und selbstständig die Drehgeschwindigkeit regulieren konnte. Auch die Geschichte mit dem Gas geben und stoppen an den Haaren kam gut an.

Arliis und Hagen fesselten einander abwechselnd. Zuerst wurde Hagen von Arliis in einem Teppo aufgehängt und in mehreren Progressionsstufen herabgelassen. Dazu muss man anmerken, dass Arliis die kleinste und zarteste Frau ist die ich kenne und Hagen größer ist als ich. In jede Richtung. Sie verwendete für das Setzen der Tsuris ein kleines Stockerl. Erstaunlich war die Dauer der Fesselung. Ich habe vergessen zu stoppen, aber unter 45 Minuten dauerte das sicher nicht. Mir wäre da an Hagens Stelle schon lange der Arm abgestorben. Respekt!

Umgekehrt wurde dann Arliis von Hagen in einen Gyaku-Ebi-Zuri mit Progression in den Sakasa-Zuri gefesselt. Da passte dann, was die Gewichtsklassen betrifft, die vermeintlich „richtige“ Riggerwelt wieder.

Dann zeigten Tina und Max wieder ihre Power-Performace. Und da ging fast alles schief. Für mich sind die beiden mit Abstand das beste Bondagepaar das ich kenne. Ich weiß wirklich nicht was da falsch lief, denn ich sah keinen Fehler. Es begann damit, dass sich der Hauptzuri so blöd um den Ring wickelte, dass Max eine Zeit brauchte um das zu entwirren. Dann knallte er sich ein Seilende ins Auge. Schließlich ging der Lift in den Gyaku-Ebi-Zuri schief und ein Seil wickelte sich um seine Beine. So ging es bis zum Schluss weiter. Libido und ich konnten das nicht verstehen, da Max wie immer souverän fesselte. Es war einfach wie verhext.

Den Abschluss bildete Steve mit seiner langsamen aber unglaublich kraftvollen Vorstellung die er auch schon im Equipage zeigte. Die Präzision mit der er die Seile führt ist einfach unbeschreiblich.

Am So, nach 0 Stunden Schlaf seit Samstag 10 Uhr Vormittag ging es zum Flughafen und zurück nach Wien. Viel geschlafen haben wir in Berlin sowieso nicht. Die WS dauerten 6 Stunden bis 22:00, danach Nachbesprechung und dann machten wir mit den Kopenhagenern die Nacht zum Tage.

Ich für meinen Teil brauche wieder mal eine Zeit lang um das Erlernte zu verarbeiten und umzusetzen. Tatsache ist, dass Steve es immer wieder schafft meinen Resetknopf zu drücken und mir das Gefühl zu geben, als hätte ich erst gestern mit Shibari begonnen. Das ist nicht negativ zu verstehen. Ich finde es toll in dem was ich tue, durch ihn immer wieder neue Varianten und Möglichkeiten zu erkennen. Die Dinge, die ich glaube zu kennen, ergeben plötzlich einen neuen Sinn.

Fazit: Mir hat es gefallen!

und mir ebenso..

mino

DRAGONROPE©

One thought on “Quo vadis – BondageScene ??

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